Hundeschule oder sollt es lieber Herrchenschule heißen?

Hundeschule oder sollte es lieber Herrchenschule heißen?

Ständig wird man gefragt was der Hund denn so kann, nie wird man gefragt. „Und was können Sie?“ Toll mein Hund kann Sitz und auch ein Platz, doch das was er mir gibt ist viel, viel mehr Wert.

Na klar kann ich mittlerweile die Perfekte Kehrtwende. Aber davon spreche ich nicht.
Was ich meine sind Eigenschaften, wie Geduld.

Meine neuen ausgebauten Eigenschaften:
Geduld
Selbstbewusstsein
Stolz
Durchsetzungsvermögen
Körpersprache
Körper Koordination
Teamgeist

Geduld
Wie oft musste ich tief durchatmen, wenn Kylar es einfach nicht verstehen wollte. Das konnte doch gar nicht so schwer sein. Mein Geduldsfaden war bis zum zerreißen gespannt, als wir ihm beibringen wollten. Das er Sitz macht während er nicht neben uns ist. Seine Interpretation vom zugerufenem Sitz, lag darin freudestrahlend auf mich zu, zu rennen und jedes abwehren zu ignorier. Sich wie eine Eins, ans Linke Hosenbein zu setzen und mich an zu Himmeln. Toll die Grundstellung klappt. Dann kann man ihm gar nicht böse sein. Er will es ja perfekt machen und versteht es einfach nicht. Aber Geduld ist da Mangelware.

Selbstbewusstsein
Ich muss gestehen. Ich bin nicht so der schüchterne Mensch. Was mir allerdings schwer fällt, in der Öffentlichkeit mal aus der Reihe zu tanzen. Es einfach mal auf meine Art zu machen, auch wenn das gesellschaftlich vielleicht nicht so gedacht ist.
Ein tolles Beispiel dafür ist die Rolltreppe im Einkaufszentrum. Kylar fährt liebend gerne Fahrstuhl aber bei Rolltreppen dreht er am Rad. Ich möchte nicht das er mit Angst vor etwas lebt und zusätzlich möchte Ich ihn auch überall mit hin nehmen. Also haben wir uns eine wenig befahrene Rolltreppe gesucht. Und mit Käse bewaffnet, den Hund auf das Band gelockt. Mal war mein Mann auf dem Band, mal ich. Es war immer einer beim Hund und hat ihn begleitet. Kylar hat es toll gemacht und seine Angst nach und nach überwunden. Erst ging es hoch dann ging später auch runter. Doch das hat mir nix abverlangt.

Was mir etwas abverlangt hat waren a. Die Personen die uns permanent drauf angesprochen und kritisiert haben und das nicht gerade freundlich und b. die Zuschauer-Ca. 10 Personen, die sich gaffend am Rand still verhielten. Aber mein Puls war jenseits von gut und böse. Oh mein Gott, die gucken uns alle an. Oh mein Gott, die denken alle schlecht über mich. Und so gingen meine Zweifel in eine Dimension, des Rotwerdens und Schämens. Mein Mann war ja dabei. Er die Ruhe in Person, gelassen wie eh und je. Prallt jeder Zweifel an Ihm ab. Zusammen mit Ihm und meinem Wunsch das Kylar dieses Erfolgserlebnis hat, hab ich das Ding Durchgezogen. Heute muss ich sagen ich hab dadurch so viel Selbstvertrauen bekommen und mich nicht von meinem Weg abbringen gelassen. Ein Erlebnis was ich nie ohne unseren Husky gehabt hätte.

 

Stolz
Es geht nicht nur um den Stolz den ich empfinde wenn er etwas richtig macht. Nein auch die Eigenbestärkung. Man hat etwas richtig gemacht. Man wird von Fremden oder Familie gelobt und man darf das auch gerne mal nach außen tragen.
Mein Highlight am Wochenende ist ein super Beispiel dafür. Wir waren am Wochenende wieder in der Hundeschule. Und unser Mitschülerhund der sonst immer gefallen will, fand das diesmal ganz schön blöd. Es wurde einfach jeder Befehl neu interpretiert. Ein „Nein“ war ein „da renn ich erst recht hin“, ein „Fuß“ hätte eigentlich in ein „zerspiel“ umbenannt gehört. Der menschliche Part war völlig am Ende und am motzen ohne Ende. Und alle anderen strahlten übers Gesicht. Alles klar wir waren vielleicht nicht nur stolz sondern auch schadenfroh. Hierzu muss man sagen ihre tollen Ratschläge die sie uns jede Woche um sonst gibt (an dieser Stelle noch mal ein Dankeschön -Ironie aus), haben wirklich wahre Wunder bewirkt.
Und ich liebe meine Hund um so mehr für die Tage wo er einfach weiß, jetzt muss ich alles richtig machen, nächste Woche spacke ich dann wieder ab. Wie machen Kinder und Hunde das?

Durchsetzungsvermögen
Jeder kennt das die Kollegen fragen ob man einspringen kann, eigentlich kann man nicht aber tut es ja dann doch.
Ich gehöre wohl zu den Personen die häufig nachgeben, blöde Streitschlichtungsseminare. Doch lasse ich dem Hund etwas durchgehen. Gerade einer Rasse wie dem Husky. Der gerne mit Anlauf durch die Wand will und wenn es beim ersten Mal nicht geklappt hat, war wohl der Anlauf zu klein. Schießt man sich mit so einer Aktion tierisch ins Bein. Ein super Beispiel dafür war sein quengeln. Da wurde uns empfohlen es zu ignorieren und er würde es sein lassen. Ganz nach dem Motto, wenn die mich ignorier, dann bin wohl zu leise. Wurde aus dem fiepen ein jaulen und dann die Steigerung zum kreischen bis hin zum Wolfsgeheul.
Was soll ich sagen. Er hat Durchhaltevermögen und die Anweisungen der Trainer waren für die Nerven nicht gut. Am Ende haben wir es in den Griff bekommen. In den wir im für jeden Quengellaut gemaßregelt haben, ihm sollte es genauso wenig Spaß machen wie uns. Aber haltet das mal durch. Er jammert wir sagen nein oder stupsen ihn an. Er ist ruhig man Lob und prompt fängt er wieder an. Echt ein Machtkampf. Wer ist sturer und wer setzt sich durch.

Körpersprache und Körperkoordination
Grade unsere Vierbeiner lesen viel am Körper ab. Was kann man wohl bei mir lesen?
Ich bin viel zu unentschlossen. Schultern nach vorne mach ich mich eher klein. Also musste ich erst mal an meiner Ausstrahlung arbeiten und siehe da schon nimmt der Hund das war. So trainiere ich wunderbar die Rückenmuskulatur. Aber auch im Obdience spielt es eine Rolle. Wie man mit dem Hund eine Drehung anläuft. Welcher Fuß wie gesetzt wird. Leider muss ich gestehen. Meine Füße wollen wohl nicht so wie ich. Weswegen es schon mal sehr lustig aussieht wenn man Trockenübungen im Hundischlaufen macht, während der eigene Hund nicht kapiert was der Quatsch soll.

Teamgeist
Da erinnere ich mich zu gerne an mich selber. Wenn in als Kind wo anders übernachten wollte bin ich zu meiner Mama gegangen. Die sagte dann meistens total genervt. Wenn dein Papa nix dagegen hat. Zu meinem Papa bin ich dann gegangen und hab gesagt. Die Mama hat nix dagegen, sie sagt du sollst Entscheiden. Mein Papa hat dann nicht lang gefackelt. Wenn meine Mutter schon nix dagegen hatte dann müsste die richtige Entscheidung, ein eindeutiges  ja sein. 99% der Anfragen hab ich kassiert.
Heute probiert das der Hund. Er hat so eine Marotte. Wenn es Zeit für Abendessen ist, kommt er zu einem und tigert zwischen Napf und einem hin und her. War ich nicht zuhause während er essen bekam, probiert er es am späteren Abend bei mir noch mal. Wie oft ich oder mein Mann vom Klo geschrien haben „der hatte schon Futter“ ist wirklich unglaublich. Dieser Hund spielt mit allen Tricks.

Ich muss sagen, seit dem wir den Hund haben hat sich vieles verändert, auch meine Persönlichkeit. Ich kann nun viel eher Kontra geben oder die Sitze die Sache aus. Schäme mich weniger und hüpfe wie ein Gummibärchen durch die gegen, wenn es dem Hund dient und zugegeben ich hab auch Freude dran.

 

Liebe Grüße

Eva und Kylar

0 0 vote
Article Rating
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments