Wie du die Pubertät deines Hundes überstehst

Wie du die Pubertät deines Hundes überstehst

Mein Hund will mich ärgern, er provoziert mich richtig und grinst mich frech an. Genau das sind meine Gefühle, wenn ich momentan Kuma in die Augenblicke.

Wie du weißt nicht mehr was Platz ist? Jetzt willst du mich aber verutzen. Fassungslos stehe ich vor ihm und er schaut mich an als wäre ich ein Auto, im selbem Moment blitz hinter seinen Augen ein neuer Gedanke und schon ist wieder alles Schall und Rauch.

Ich könnte dann wie eine kleine Hexe im Kreishüpfen und fluchend sein Gehirn wieder beschwören. Aber das bring alles nichts. Es ist wegen Umbau geschlossen und ähnlich wie in manchen einschlägigen Kaufhäusern, trifft man immer den Mitarbeiter, der für die Abteilung gar nicht zuständig ist.

Aber was jetzt, wo durch wird es eigentlich ausgelöst und was kann ich aktiv dagegen tun?

Viele Bereiche des Gehirns verändern sich in dieser Zeit, sie bekommen neue Aufgaben, bauen um und bekommen mehr Kapazität.

So werden in der Pubertät sehr viele Verknüpfungen zwischen den Nervenzellen und den Synapsen abgebaut, was dazu führen kann das so ein Platz auf einmal verschwindet.

Die Bereiche des Gehirns die für emotionale Entscheidungen zuständig sind, vergrößert sich und bekommen mehr Gewichtung. In dieser Phase können die Handlung sehr emotional ausfallen und oft irrational erscheinen. Dadurch ist es ein besonders guter Boden für Angst und Aggressionen.

Der Teil des Gehirns für die bewussten Entscheidungen, verkleinert sich während der Pubertät und reift erst später nach.

Zusätzlich steigt ein explosiver Hormoncocktail. Das Stresshormon ist in keiner Lebendsphase so stark im Körper vertretten wie in der Pubertät. Zeitgleich steigt auch die Produktion von Dopamin, dem Belohnungshormon. So belohnt sich der Hund nun viel schneller selbst.

Er hat ein erhöhtes verlangen nach Selbstständigkeit, durch verschiedene Hormone lässt er sich schneller ablenken, reagiert Teilweise sehr emotional auf Situationen und kann nicht auf sein komplettes Wissen zurück greifen.

Also was bedeutet das für uns?

Gerade in der Pubertät möchte sich euer Hund etwas von euch Distanzieren, möchte auf eigenen Beinen stehen, findet meist alles Interessanter als das eigene Herrchen und belohnt sich dann auch noch schneller selbst. Die Handlungen sind eher emotional getroffen als rational überlegt und teilweise fehlt sogar das Grundwissen. Zu allem Überfluss ist er auch noch wahnsinnig gestresst von seiner puren existenz.

Aber ist du Pubertät eine Ausrede?

Nein. Denn es bringt jetzt gar nichts, total aus zu flippen, den Hund unter drill zu stellen oder ihn einfach nur noch machen zu lassen.

Deswegen unsere Tipps wie Ihr die Pubertät gut übersteht.

1. Selbstbelohnung

Wie wir eben gelernt haben, kann sich der Hund gerade in dieser Lebendsphase sehr gut selbstbelohnen. Er ist also nicht unbedingt auf euer Lob angewiesen und vielleicht ist es eh gerade viel schöner, seine Sachen zu machen, als schon wieder zum dummen Frauchen zu rennen.

Wenn er also beim Rückruf nicht kommt und lieber schnüffelt, belohnt er sich schon selber.

Aber was jetzt, sich mit einer Krokodilsrolle auf den vierbeiner stürzen, ihn in den Schwitzkasten nehmen und ihm klar machen wer der Rudelchef ist?

So ein quatsch. Probiert einfach euren Hund für die Dinge zu Loben, die er gut gemacht hat, bevor das nicht erwünschte Verhalten kam.

Eine Belohnung kann auch sein, das er weiter schnüffeln darf. Zum Beispiel wenn er euch einmal angeblickt hat.

2. Grenzen

Grenzen solltet ihr mit sehr viel Geduld immer und immer wieder gleich aufstellen. Für mich bedeutet das auch, das Kuma beim Rückruf an die Schleppleine gehört, falls der verloren gehen sollte. Denn ich möchte trotz Ablenkung, den Einfluss auf Ihn haben, ihn zu korrigieren und ihn zu mir zu befördern. Ihm nicht die Möglichkeit zu bieten, sich durch ein weg laufen zu einem anderem Hund selbst zu belohnen.

3. Erwartungen

Die eigenen Erwartungen sollten realistisch bleiben. Setzt eure Erwartungen nicht zu hoch an, aber auch nicht zu niedrig, so dass ihr euren Hund weiter fördert allerdings nicht überfordert.

Haltet euch immer vor Augen, vieles macht er nicht mit Absicht, ab und an mag er die Grenzen neu stecken und oft lässt er sich von emotionen leiten und denkt nicht rational.

4. Bindung

Oft leidet gerade in der Pubertät die Bindung. Da man sich vom eigenen Hund angegriffen fühlt. Es wird schnell mit Straffen reagiert und man hat weniger Erfolge mit einander, da der eigene Hund sich auch weniger an einem Orientiert.

Deswegen ist es ganz wichtig, das ihr an eurer Bindung weiter arbeit. Ihm ruhig auch seine Bedürfnisse mit befriedigt, sein erhöhten dran zu schnüffeln nach kommt und im Gegenzug dafür von ihm kleine Gegenleistungen verlangt. Klare wege gehen und Übungen so gestalten, das er auch ein Erfolgserlebnis hat.

Zeigt nicht in der Zeit wo er sich eh von euch Abnabeln will, auch noch das es bei euch nicht schön ist. Bietet ihm Führung und gerade in Situationen wo es Stressig ist, er umschlägt in Angst oder Aggression seit ihm ein Halt und leitet ihn.

5. Training

Euer Training solltet Ihr, der Tagesform eures Hundes anpassen, das bedeutet jetzt nicht, das wenn euer Hund einen schlechten Tag hat, ihr dann gar nichts mehr mit Ihm übt. Ne schaut einfach das Ihr ggf. mit weniger Ablenkungen trainiert und die Basic´s festigt. Am nächsten Tag ist dann wieder alles anders und dann klappt es auch einen Besuch im Wildpark gemeinsam zu meistern.

Ändert eure Belohnungsart, zum beispiel kann es sein das Futter nicht mehr die Topbelohnung ist, sondern vielleicht einem anderen Reiz nach zu gehen. Dann gebt ruhig auch das mal als Belohnung.

Um Übungen leichter für euren Hund zu machen, könnt ihr verschiedene Dinge ändern.

  • Die Länge der Übung
  • Die Ablenkung bei der Übung
  • Die Grundbedürfnisse Befriedigen
  • eine oder mehre Trainingsschritte zurück gehen

Bei uns sieht es Momentan wie Folgt aus. Ich probiere Diskussionen mit Kuma zu vermeiden. Entweder ich mein ein Komando ernst oder ich lass es bleiben. Sag ich also Sitz, möchte ich auch eins sehen. Funktioniert das nicht, erarbeite ich es gemeinsam mit ihm, in dem ich die Übung seinem Zustand anpasse. Merke ich das er es nur gerade nicht machen möchte, aber schon weiß wie es geht, setze ich mich durch. Ich achte Bewusst darauf, ihn mehr zu loben für Dinge die gut laufen und ihm gleichzeitig etwas mehr Freiraum zu geben. So trainieren wir gerne auf dem Feld. Nach 15 Minuten Training, setze ich mich hin und er darf gerne dann das Feld komplett einmal unter die Lupe nehmen, wie er es gerne möchte. So belohne ich Ihn mit seinem Bedürfnis und wir gehen Beide zufrieden nach Hause. Grundsätzlich rechne ich damit, das Kuma ggf. ganz anders Reagieren wird als bisher und dinge die für ihn klar waren, nicht mehr klar sind. So weiß ich das er nicht mehr alleine bleiben kann, der Stress, schlägt um in Angst und er fäng an zu jaulen, ich gehe bewusst Schritte im Training zurück und baue bestimmte Teile komplett neu auf.

Raubt er mir den letzen Nerv, ja bestimmt. Aber das tun täglich so viele Menschen auch, also warum nicht etwas vertrauen in den eigenen Hund, das man es gemeinsam schaffen kann.

Wie lief die Pubertät bei euch?

Liebe Grüße und nasse Küsse

Eva und Kuma

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