Wie gewöhne ich meinem Hund das ziehen ab?

Wie gewöhne ich meinem Hund das ziehen ab?

Sind eure Arme so durchtrainiert wie die von Meister Proper? Werdet ihr regelmäßig gefragt welches super Fitnessstudio ihr besucht? Aber euer Geheimtipp heißt einfach Hund und zieht euch über Feld, Straßen und Hundewiesen.

Vor fast genau einem Jahr, hab ich dieses Thema schon eimmal aufgegriffen, jetzt möchte ich das noch einmal ergänzen. Für alle die sich den ersten Teil noch einmal ansehen wollen: Wie gewöhne ich meinem Hund das ziehen an der Leine ab Teil 1

Gerade im ersten Teil bin ich auf die Grundlagen eingegangen und werde diese jetzt nur anschneiden und an anderen Stellen ergänzen.

Halsband oder Geschirr?

Ein Hundehalter der sich sicher und wohl fühlt, strahlt Selbstsicherheit aus. Was zu einer besseren Führung führt. Deswegen gebe ich euch den Rat, nehmt das mit dem Ihr Euch sicherer fühlt.

Trotzdem mag ich euch die Vor und Nachteile nicht verbergen.

Beim Geschirr gibt es sehr viele Arten, nicht alle sind geeignet und viele Antizuggeschirre basieren auf Bewegungseinschränkungen, teilweise sogar Schmerz. Natürlich können diese Geschirre helfen das der Hund nicht mehr zieht. Allerdings zieht er aus den falschen Gründen nicht mehr. Genauso kann allerdings auch ein gut sitzendes Geschirr dazu führen das es dem Hund gar nichts ausmacht zu ziehen, also warum damit aufhören?

Ähnliches gilt für Halsbänder oder Retrieverleinen. Hier hat man allerdings den Vorteil das der Hund weiter Vorne geführt wird und so meist besser kontrolliert werden kann. Ein deutlicher Nachteil allerdings, das die Luftröhre und Weichgewebe gequetscht wird, bei Zug. Auch ängstliche Hunde können sich schneller befreien.

Wie bei den Leinen, kann sich ein Hund allerdings merken, welches Outfit für was ist. Hat man also schon eine eingefahrene Situation am Geschirr könnte man die Situation ggf. Entspannen durch einen Wechsel auf das Halsband und nochmal von vorne anfangen. Genauso könnte man seinen Hund auch ein Geschirr für den Zughundesport verpassen und sobald er was anderes an bekommt, ist ziehen tabu.

Die Leine

Bei den Leinen sollte am Anfang auf eine einheitliche Länge geachtet werden. Bedeutet bei einer verstellbaren Leine nicht immer wieder die Länge verstellen. Sondern erstmal bei einer bleiben. Keine Flexileinen und bei Schleppleine nicht mal den vollen Radius erlauben und dann wieder nur 3 Meter. Konsequent die Leinen wechseln. Denn Hunde merken sich ihren Leinenspielraum und wenn der verstanden ist hört auch das ziehen auf und beim Hund kommt das Verständnis für mehr Leinen, unterschiedliche Längen und das man grundsätzlich nicht zieht.

Im ersten Teil bin ich schon auf die Drei Methoden eingegangen die ich persönlich favorisiere. Häufig hab ich allerdings erlebt, das viele Hundebesitzer diese Übungen falsch machen, was dazu führt das sie nicht funktionieren und nicht jede Übung funktioniert bei jedem Hund. Aber heute werde ich auch auf häufige Fehler eingehen.

Der Baum

Der Baum ist im Prinzip eine recht simple Übung und zwar schlagt ihr einfach Wurzeln, sobald eher Hund zieht. Der erste ruck an der Leine und ihr bleibt stehen. So weit so gut und jetzt? Jetzt wartet ihr darauf das euer Hund euch entweder anseht, dann ladet ihr ihn zu euch ein. Zum Beispiel durch runter beugen und kommt er zu euch zurück, geht es wieder mit lockerer Leine weiter. Oder ihr erwartet nur von ihm das die Leine wieder locker ist, sobald das passiert nehmt ihr wieder Schritt auf. Häufig funktioniert diese Methode nicht. Weil man Wurzeln zu spät schlägt. Schon 100m wurde man gezogen und bleibt jetzt erst stehen oder weil der Hund sich selber beschäftigt. Fängt lieber an zu schnüffeln oder ähnliches. Deswegen mein Tipp. Achtet auf euere Timings und längt sich euer Hund lieber ab als auf euch zu achten, holt ihn sachte an eure Seite. Lässt ihn ein Sitz machen und fangt dann wieder von vorne an.

Die Blockade

Die Blockade funktioniert gut wenn ihr eine Hauswand oder Zaun auf der anderen Seite des Hundes habt. In dem Moment wo der Hund einen überholen will, schiebt man sein Bein vor ihn und lässt ihn nicht vorbei. Ist dann dort noch die Hauswand, wird das ausweichen für Akrobaten auch schwieriger. Die Kunst an diesem Übung ist das man selber kein Bewegungslegastheniker ist, so wie ich. Meist drehe ich mich deswegen mit dem Ganzen Körper in den Hund, was mir persönlich wesentlich einfacher fällt als nur ein Bein auszustrecken. Probieren wir das nicht zu verstehen. Ich verstehe das auch nicht, warum ich es nicht schaffe mit dem Bein zu blocken ohne dabei so angreifbar auszusehen.

Die Kehrtwende

Die Kehrtwende ist meine Lieblingsübung. Nicht nur weil es so schön verrückt aussieht. Sondern weil sie bei mir immer am schnellsten gewirkt hat.

Bei der Kehrtwende geht es darum. Bevor der Hund zieht, aber schon am Limit ist sich abrupt um 180 grad zu drehen. Und nicht erst drehen wenn er schon drei Schritte gezogen hat oder ganz langsam drehen damit der arme Hund auch mit bekommt das ihr euch abwendet. Nein, er prescht vor ihr seht das und dreht schon um, strammen Schritt in die andere Richtung und Hund wird schon merken das ihr auch ziehen könnt. Diese Übung ist gerade am Anfang eine Never Ending Story. Wie ein Brummkreisel dreht Ihr euch bis es eurem Hund zu dumm ist und er euch ansieht mit dem Blick „hey gehts noch?“ Und genau das ist der Moment wo er nicht zieht. Euch die Aufmerksamkeit gehört und den ihr bestätigt.

Dieses mal hab ich es euch einmal aus der Sicht des Hundehalters aufgenommen, um euch das mit dem Timing näher zu bringen.

Wenn ihr die Übungen ohne Ablenkungen hinbekommt. Könnt ihr euch mit einem Hundekumpel verabreden und auf einander zu laufen. Auch hier gelten die selben regeln.

Möchtet ihr es lieber alleine Trainieren. Packt was leckeres in den Napf und lauft mit eurem Schatz drauf zu.

Um es eurem Vierbeiner einfacher zu machen, mit euch zu kooperieren, macht es doch ab und an auch mal spannender. In dem ihr eure Gangart mal wechselt. Ab und an mal ein Hoppsasa Lauf oder mal schleichen wie ein Indianer.

Habt ihr zwei Hunde die ziehen, trainiert es erst mit jedem alleine und führt sie dann zusammen.

Wie habt ihr das hinbekommen das nicht mehr gezogen wurde? Ist das eine Baustelle bei euch? Woran scheitert ihr?

Wir freuen uns auf eure Kommentare

Liebe Grüße und nasse Küsse

Eva und Kuma

4 thoughts on “Wie gewöhne ich meinem Hund das ziehen ab?”

  1. Mit Odin war das auch lange ein schwieriges Thema, vor allem weil er eine ziemliche Konzentrationsschwäche hat und gerne mal im Sekundentakt vergessen hat, dass da noch jemand am anderen Ende der Leine hängt. Also bei uns waren da auch noch viele Konzentrationsübungen und Impulskontrolle dabei. Ich hab auch oft die Richtung gewechselt und blockier ihn mit dem Bein. Beim ersten Mal hat er mich dabei übrigens über den Haufen gerannt. Eine Übung die ich jetzt noch manchmal mache, ist ganz enge Kreise zu gehen, wobei der Hund innen ist. Wenn das gut klappt, fängt man an kleine Achter zu gehen, also ist der Hund mal innen und mal außen. Das hilft Odin sehr, sich auf mich zu konzentrieren. Und ansonsten bedeutet Halsband bei uns, dass er an der kurzen Leine neben oder hinter mir gehen muss; Geschirr, dass er sich an der langen Leine frei bewegen darf. Das klappt seit einem Jahr sehr gut. Was uns auch sehr geholfen hat, war Zughundesport anzufangen. Wenn ich das Geschirr raus hole, stellt Odin sich schon zum Wagen und hängt sich dann richtig rein.
    Mit dem Welpen klappt an lockerer Leine gehen überraschend gut. Ich hoffe das bleibt auch so.
    Liebe Grüße,
    Julia mit Odin und Freya

  2. Hallo Eva!

    Danke für deine Tipp’s! Toffee und die Leinenführigkeit ist leider auch eine Never Ending Story! Aber durch deinen Beitrag habe ich das ganze nochmal viel mehr verinnerlichen können und morgen wird direkt wieder weitertrainiert!

    Liebe Grüße & einen ruhigen Sonntag Abend noch,

    Johanna & Toffee ♥

  3. Hallo, danke für deine Tipps. Meine 1 jährige franz. Bulldogge achtet zwar ab und an auf mich beim Gassigehen, aber das ziehen der Leine kommt jedes Mal vor. Ich hab mir jetzt einiges aufgeschrieben und werde das Thema jetzt angehen.

    Die Kehrtwende habe ich schon in der Vergangenheit versucht – nur war dann das Resultat, dass meine Hündin dann begonnen hat sobald ich mich zackig umgedreht habe die Leine ins Maul zu nehmen und Ziehkämpfe veranstaltet hat. Ich bin dann stehengeblieben und hab sie ignoriert und hab es aus gesessen (mich weggedreht). Schauen wir mal ob dieses Problem dann vielleicht wieder auftaucht. Was würdest du hier dann weiter unternehmen?

    Dazu kommt das ich Geduld nicht zu meinem Stärken zähle 🙁 aber da muss ich wohl durch.

    Lg. Sabrina & Annika

  4. …der Artikel kommt genau richtig 😀
    ..wir haben im November unseren ersten Kurs in der Hundeschule zum Thema Leinenführigkeit belegt, nachdem ich gemerkt habe, dass ich alleine wohl nicht weiterkomme.. habe Stella von Anfang an immer belohnt wenn beim Spazierengehen die Leine locker war oder sie mit mir Blickkontakt aufgenommen hab (Essen gab es für sie zum Großteil nur draußen beim Spaziergehen, damit ich auch interessant bleibe ;)). Das hat zwar gut funktioniert; gezogen hat sie zwischendurch leider trotzdem noch recht viel, weshalb ich mich dazu entschieden habe oben erwähnten Kurs zu besuchen.
    Im Jänner haben wir dann schon den „Fortgeschrittenen“-Kurs für Leinenführigkeit belegt.
    Seit nun ca 8 Wochen trainieren wir ganz konsequent. – Also kein Ziehen mehr erlaubt; ob beim langen Spaziergang oder nur kurzen Gassi-gehen. Ich verwende dabei auch die oben erwähnten Methoden 🙂 (Außer das Stehenbleiben; das hat bei uns überhaupt nicht funktioniert.)
    Wechsle also immer zwischen Richtungswechsel/180-Grad-Wendung und Blockieren.. und schließe mich an: die Passanten unterwegs halten einen für vollkommen verrückt wenn man mit dem Hund seine Drehungen vollzieht 😀 denke mir aber immer: „ist mir doch egal, ich möchte einen Hund der entspannt an lockerer Leine spazieren gehen kann :P“. Am Anfang des Trainings war mir zwischendurch öfter mal schon richtig schwindelig vom vielen Drehen… 😀
    Das Training läuft: naja.. mal so, mal so. wir haben gute Tage wo ich mich total freue dass das konsequente Training endlich Früchte trägt, aber auch schlechte Tage, an denen ich alles einfach nur hinschmeißen möchte und ich mich frage wozu ich die ganze Zeit und Geduld aufwände wenn Stella scheinbar nichts dazu gelernt hat..
    Nächste Woche haben wir eine Einzeltrainerstunde um weiter an der Technik zu feilen.. aber wie bei allem ist hier wohl wieder Geduld und Konsequenz gefragt 🙂
    Liebe Grüße,
    Simone (und Stella)

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