Bindungsarbeit – ein Training ohne Leckerchen

Bindungsarbeit – ein Training ohne Leckerchen

Wenn ich mich so ansehe, denke ich manchmal, ein echter Hundehalter hat in jeder Jacke Leckerliekrümmel. Das es aber auch anders geht, mag ich euch heute schreiben.

Leckerlie gleich Bestechung?

Jeder der mich kennt weiß das ich wirklich gerne mit Leckerchen arbeite, ich finde sie motivieren, sie schmecken gut und sind eine angemessene Bezahlung. Ungefair so hab ich 10 Kg zu viel auf die Hüften bekommen.

Doch warum sollte ich dann überhaupt von der Leckerchenmethode abweichen?

Hat mein Hund mehr Bindung zu einem Leckerlieautomaten als zu mir?

Forscher gewöhnten Hunde an ein MRT (ein MRT zeigt die Hirnaktivitäten) allein das ist schon eine wahnsinnige Leistung. Denn die Hunde müssen Regungslos mit Kopfhörern in einer summenden Maschine für mehrere Minuten liegen. Aber damit nicht genug. Diese Hunde Konditionierten sie auf ein Spielzeugauto. Dieses brachte den Hunden immer wieder Leckerchen und belohnte sie. Nun wurden den Hunden im MRT einmal das Spielzeugauto gezeigt und einmal ihre Bezugsperson und das unglaubliche nahm ihren lauf. Die Hunde freuten sich nicht besonders das Auto zu sehen, aber bei ihrer Bezugsperson sprach das MRT Bände. Gerade im Bereich des Gehirns wo die Bindung und das Belohnungszentrum sind, waren starke Hirnaktivitäten zu verzeichnen. Doch was sollte das heißen? Würden sich diese Hunde auch für den Menschen entscheiden, außerhalb der Theorie?

Aus diesem Grund, führte man den Test erneut durch. Dem Hund wurde angeboten, entweder zu seinem Halter zu rennen oder zu einem besonderen Leckerchen. Von 15 getesteten Hunde liefen 13 sofort zum Halter und nur 2 haben sich für den Umweg über das Fressen entschieden.

Doch was bedeutet das für unsere Hundeerziehung? Hunde lieben die Interaktion mit uns, sie haben eine echte Bindung zu uns und nicht zu einem Leckerchen und sie lassen sich auch sehr gut einfach durch einen Sozialkontakt belohnen, ganz ohne Leckerchen.

 Welche Teile des Hormonsystems spielen eine Rolle?

Dopamin = Selbstbelohnungdroge, wird bereits in der Erwartungshaltung ausgeschüttet

Serotonin = Stimmungsaufheller, bringt Gelassenheit und ist ein wichtiger Bestandteil der Impulskontrolle

Oxytocin = Bindungskatalysator ( wird schon ausgeschüttet durch Blickkontakt und bei Körperkontakt)

Cortisol & Noradrenalin = führt zu erhöhter Aufmerksamkeits Haltung, bei zu viel auf zur Panik

Endorphin = verstärkt die Ausschüttung von Dopamin  (gutes Gefühl)

Wie belohne ich ohne Leckerchen und warum funktioniert es?

Ein Training ohne Leckerchen läuft über Sozialkontak.

Welche Arten von Sozialkontat gibt es:

  • gemeinsames Spielen
  • Kuscheln
  • Streicheln
  • reiner Körperkontakt
  • Raufen

Um mit deinem Hund ein Training ohne Leckerchen zu meistern sollte es wie folgt aufgebaut sein.

Beginnen tust du mit einer kleinen Sozialfrequenz (die die für deinen Hund eine Belohnung da stellt) dabei wird Dopamin ausgeschüttet. Dopamin macht deinem Hund ein gutes Gefühl und lässt in das geniesen. Nun legst du einen Stopp ein. Das führt zu einer ausschüttung von Cortisol und Noradrenalin und macht deinen Hund lernbereit du führst deine Übung mit ihm durch (am besten eine kurze Frequenz) und steigst beim richtig machen direkt wieder in euren Sozialkontakt ein.

Beispiel AUS

Der Beginn ist ein Zerrspiel, dein Hund und du zergeln gemeinsam. (Dopamin) Dann legst du einen Stop ein, wirst ruhig und sagst AUS, in diesem Moment schiebst du ihm vorsichtig den Finger in den Mund und nimmst das Spielzeug weg.(Cortisol) Dein Hund muss sich nun für einen Moment selbst beherschen (Serotonin) und nach diesem Moment geht es mit einem Makerwort (zum Beispiel Fein) in die nächste Spielrunde (Dopamin). Nach einigen Wiederholungen, lasst dein Hund ganz von allein das Spielzeug beim AUS los und freut sich auf die nächste Runde Spiel Spaß und Spannung. Der postivie Nebeneffekt ist das auch die Impulskontrolle mit trainiert wird.

Wichtig ist raus zu finden was der Hund an Sozialkontakt gerade braucht.

Auf Spaziergängen braucht Kuma Rennspiele, er liebt es einfach! Zuhause kann es auch mal eine Rauferei auf allen vieren sein, mit gegenseitigem umschupsen, auf den Rücken legen, knabbern und leichtem zwicken. In der Innenstadt braucht er Körperkontakt und liebt es sich nur zwischen meine Beine setzen zu dürfen und am Abend genießt er das Kontaktliegen auf der Couch.

Ein Training ohne Leckerchen kann schwieriger sein, denn du musst Situationsbedingt entscheiden, was dein Hund gerade lieber hätte. Doch das was du davon als Gewinn mit nimmst ist unbeschreiblich. Du lernst deinen Hund zu lesen, findest herraus was er wirklich gerne mag und in welchen Situationen welches Verhalten von dir angemessen ist. Das Alles führt dazu das eure Bindung steigt und das du immer für ihn Interessant bleibst.

Wann solltest du dennoch das Leckerchen wählen?

Dein Hund merkt wenn du die Belohnung nicht ernst meinst. Wenn du nur halb herzig spielst ist es so als würdest du dich mit einer Freundin zum Cafe treffen und während du etwas erzählst, liest sie Nachrichten auf Ihrem Handy. Das macht dir keinen Spaß und so macht es deinem Hund auch keinen Spaß wenn du nur halbherzig bei der Sache bist. Es muss schon mehr als ein Flichtgefühl existieren.

Meine Erfahrung zeigt, an Tagen wo ich nicht rum albern kann, wo ich mich nicht auf den Boden schmeiße um zu raufen, nicht zergeln kann oder will, ist der Griff in die Leckerlietüte viel entscheidender als der Versuch es trotzdem ohne durch zu ziehen!

Übungen aus unserem Alltag nach dem Sozialenbelohnungssystem

Rennspiel – Stopp -Pfiff – Rennspiel

Zergeln – Aus – Zergeln

Raufen – Sitz oder Platz – Raufen

Ball werfen – Fußlaufen – Ball werfen

Kuscheln – Trick – Kuscheln

Streicheln – Tierarzttraining – Streicheln

Habt ihr es so schon einmal probiert? Wo mit habt ihr gute Erfahrungen gemacht? Wäre euer Hund einer der 13 oder lieber das Futter?

Ich freue mich auf eure Erfahrungen

Liebe Grüße und nasse Küsse

Eva und Kuma

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