Wie erkenne ich Stress, Angst und Aggressionen beim Hund? -Canis Symposia-

Wie erkenne ich Stress, Angst und Aggressionen beim Hund? -Canis Symposia-

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Ist das nicht schon eine erschlagende Überschrift? Genau das hat es bei mir Ausgelöst. Vom 20.04-22.04.2018 fand in der Nähe von Pforzheim, das 2. Hundesymposium Pforzheim statt. Unter dem Motto „Stress, Angst und Aggression beim Hund“ gab es 3 wundervolle Seminartage.

Jeder Referent hat uns seine Lebenserfahrung und Wissen weiter gegeben, ganz auf seine Art und Weiße, mit großen Schritten wurde über die Bühne geflogen und eindrucksvoll vorgemacht, wie ein Zwinger voller Aggressiver Hunde betreten wird und bei jedem plöpte das Gefühl auf, direkt neben Ihr zu stehen und zu zusehen, wie Sie den Zwinger betritt. Andere beeindruckten mit Videos, zeigten Ausschnitte aus Ihrem täglichen Leben, Ausschnitte die einem zum nachdenken brachten. Hunde die sich selber verletzen oder auf einander los gingen, Straßenhündinnen die verzweifelt Ihre Welpen sucht, die von unwissenden Tierschützern gerettet werden.

Jeden Tag, hab ich das Symposia voll mit Informationen verlassen, mein Kopf glühte und einiges hat mich nachhaltig geprägt.

Doch welche Formen der Aggression gibt es überhaupt?

Bei Aggressionen gibt es sehr viele Formen und für den richtigen Trainingsansatz ist es sehr wichtig, diese zu unterscheiden.

Deswegen ist von selbst Diagnosen abzusehen, häufig entwickeln sich erst aggressive Hunde durch fehlerhaftes Training und falsch Konditionierung. Denn viele Aggressionsarten scheinen für den Leihen identisch.

„Oh schau mal wie süß Oska hat den Stock geklaut.“ aus „Oh schau mal wie süß.“ kann schnell, „Ach du kacke“ werden. Denn genau in dem Moment wo Oska sich überlegt das es seine Ressource ist und niemanden mehr an den Stock lässt oder weil Oska nur den Stock geklaut hat um seinen Status zu verdeutlichen, wird einem klar, das es gar nicht mehr so süß ist und das es verschieden Gründe haben kann für den Diebstal.

Die Aggressionsvarianten: Statusbedingte Aggression, Ressourcenbedingte Aggression, Defensive Aggression und viele weitere Formen.

Wie wird denn überhaupt Aggression ausgelöst?

Ob ein Hund Aggressiv auf etwas reagiert, kann viele Ursachen haben. Es hängt von seiner Persönlichkeit ab, von seinem Gesundheitszustand (körperlich, wie geistig) und von dem Stressor.

Nehmen wir doch Kuma als beispiel, Kuma ist kein ängstlicher Hund, aber schon eher ein Vorsichtiger. Als ich mit ihm Essen gegangen bin, saßen wir draußen und irgendwann fing der Welpe unter dem Tisch an zu Knurren. Der kleine Mann bleckte die Zähne und knurrte einen Rollstuhlfahrer an. Mein erster Gedanke „Toll ich habe einen rasistischen Hund.“ Doch was ging eigentlich in ihm vor? Das Essengehen war für ihn neu, die Umgebung war für ihn neu und er hatte Stress, doch dann kam der Rollstuhlfahrer, etwas so Unbekanntes, was ihn am liebsten zur Flucht getrieben hätte. Aber er konnte nicht und der Rollstuhlfahrer kam näher. Also hat er mit seinen Mitteln gesagt „hey du komischen Ding halt mal Abstand.“ Ein Ganz normales Hundeverhalten. Doch aus diesem Verhalten kann ich als Hundehalter ganz schnell eine Aggression entwickeln, in dem ich falsch bestätige, meinem Hund die falschen Signale gebe. Hier ist der Sozialpartner Mensch gefragt, mit dem Hund eine passende Strategie aus zuarbeiten, wie er in solchen Situationen umgehen soll. Als echte Rheinländerin ohne Berührungsängste (ob das auch vererbt wird) hab ich den Rollstuhlfahrer gefragt ob ich mir mit Kuma zusammen den Rollstuhl angucken darf und siehe da. Als ich ihm die Möglichkeit gegeben habe, Distanz zu schaffen zu dem gruseligen Gerät und sich von alleine zu mir zu bewegen, in meinem Schutz den Rollstuhl ansehen zu können. War das Thema schnell Geschichte.

Doch Kuma hätte auch ganz anderes reagieren können, mögliche Strategien sind die 5 F (Flight – Fight – Freeze – Faint – Flirt), es ist also möglich, das ein Hund ganz anders als der andere mit einer Situation umgeht, wo der eine Einfriert, kann der nächste in den Angriff gehen. So hätte Kuma auch einfach unter dem Tisch wie eingeforeren stehen können, anstatt zu knurren.

Man merkt also schnell wie umfangreich dieses Thema ist und das es nicht mit einem Vortrag behandelt werden kann. Genau das ist das tolle am Symposium, 10 tolle individuell auf einander aufbauende Vorträge haben sich an drei auf einander folgenden Tagen ergänzt.

Das was ein Vortrag nicht hätte greifen können, hat uns ein Seminar Wochenende geschenkt. Viele verschiedene Meinungen, liebe zum Detail und ein Veranstalter der so viel Herzblut und gute Laune versprühte das man sich einfach nur wohl fühlen konnte.

Was ist das Hundesymposium?

Das Hundesymposium ist ein Seminarwochenende, an drei aufeinander folgenden Tagen. Gespickt mit Referenten die alle zum selben Thema Ihre Forschung und Lebenserfahrung teilen. Versüßt wird das Ganze durch leckeren Kuchen, tolle Cocktails und einem Veranstalter der mit Herz und Seele dabei ist.

Aber wie gehe ich nun vor wenn mein Hund Aggressionen zeigt?

Meine Tipps für euch:

  • Klärt den Gesundheitszustand eures Hundes ab (körperliche Schmerzen, genauso wie geistige Erkrankungen können zu Aggressionen führen)
  • Stellt euer Problem einem Hundetrainer vor, der sich auf Aggressionsbewältigung spezialisiert hat und habt ihr das Gefühl das wird nicht besser. Ggf eher schlechter, dann schaut euch nach einer zweiten Meinung um.
  • Nehmt Aggressionen nicht auf die leichte Schulter und wartet bis sie ausufern.
  • Aber das aller wichtigste „Ein Hund kann auch mal pupsen ohne das es was bedeutet.“ Was will ich damit sagen – macht aus einer Mücke auch keinen Elefanten.

Welche Vorteile bietet mir ein Symposium?

  • Beiträge von Spezialisten an einem Ort
  • viele Verschiedene Meinungen
  • Diskusionen in der sich Referenten direkt austauschen mit dem Publikum
  • Ein tolles Begleitheft für die eigenen Unterlagen

Praxistipps

Ich schaue meinen Kollegen an, er hat gerade eine Frage gestellt und guckt mich fragend und aufgeregt an. Doch ich antworte nicht. Ich lächle Ihn nur an. Er fragt mich was los sei, doch ich Antworte nicht, er wird langsam unsicher und dann aggressiv, bellt mich an was ich mir dabei denke ihn nur so stupide an zu blicken. Warum zum geiger gebe ich ihm den keine antwort. Am ende winkt er ab und verlässt den Raum (ergreift die Flucht) oder haut mir zwei auf die Glocke (geht in den Angriff) Aber warum hab ich ihm nicht geantwortet? Richtig er hat kein Sitz gemacht, war doch Logisch oder nicht?

Genau das machen wir Tag täglich mit unseren Hunden. Wir kommen vor den Kofferraum und der Hund steht, anstatt ihm Sitz zu sagen, gucken wir Ihn an, wie er drinnen schier amock läuft, er kann nicht gehen wie der Kollege. Irgendwann übermannt ihn seine Frustration und wir öffnen den Kofferraum. Aber warum machen wir es unserem Hund so schwer? Was uns bei unserem Kollegen nicht in den Sinn kommen würde, machen wir mit unserem Lebendspartner. Weil man irgendwann mal gehört hat, der Hund muss selber auf die Lösung kommen.

Also ich als Hund, würde euch den Kofferraum aus einander nehmen, so was Hass ich ja wie die Pest und was würdet Ihr tun, den Kofferraum auf machen um mich davon ab zu halten. Zack habt ihr mich auf Aggressives Verhalten im Kofferraum konditioniert.

Aber warum machen wir uns oft das Leben so schwer, geht doch einfach hin, sagt eurem Hund sitz und wenn er es macht geht der Kofferraum auf, spätestens nach ein paar Wiederholungen sitz er von ganz allein im Kofferraum und wartet auf euch.

Dieses Beispiel, zeigt mir einfach, das ich vieles meinen Hund selber erarbeiten lassen kann aber nicht zwingend muss. Dass ich für uns die beste Entscheidung treffe und mit ihm trainiere Stress zu ertragen aber unnötigen Stress vermeide. So dass auch er Spaß daran hat, mit mir zusammen zu arbeiten. So kann ich einer gewissen Aggressivität vorbeugen, doch ganz verhindern kann man es nicht. Nach stressigen Tagen gebe ich Ihm die nötige Erholungszeit und passe auf das ich weder überfordere noch unterfordere. All diese Aspekte helfen das Zusammenleben entspannter zu machen.

Aggressionstherapie

Sollte euer Hund Aggressiv sein, ist es ganz wichtig einen Spezialisten auf zu suchen. Oft wird ganzheitlich behandelt. Nicht nur ein Trainer übt mit euch, auch ein Physiotherapeut löst Verspannungen die durch Stress und Aggressionen am Tier ausgelöst wurden, der Tierarzt kontrolliert den Gesundheitszustand und verabreicht gegebenenfalls die passenden Medikamente und erst dann, habt ihr das Thema ganzheitlich angepackt und findet bestimmt euren Weg.

Wann findet das nächste Symposium von Canis Symposia statt?

3. Hundesymposium Pforzheim vom 22.-24.März 2019

Thema: Vom Welpen zum Senior – Stationen eines Hundelebens

Wer sich anmelden möchte, kann sich jetzt schon unverbindlich regestrieren und wer nicht bis 2019 warten mag, der kann durchstarten mit zwei tollen Vorträgen:

Zu guter Letzt mag ich euch noch einige kleine Dinge mit auf den Weg geben…

… Hunde sind oft für einen Zweck gezüchtet, darunter kann man in einer Zucht auch auf Aggression selektieren. Werden oft Aggressive Tiere mit einander Verpaart, kann es auch in der Rasse zu aggressiveren Tieren kommen. Aggression ist vererbbar. Doch was genau bedeutet das für uns? Beim Züchter sollte vermehrt ein Augenmerkt auf die Elterntiere und Großeltern gelegt werden. Bei ausländischen Hunden, kommt es oft darauf an aus welchem Ausland die Tiere stammen und was den Bewohnern dort sehr wichtig ist. In Bulgarien wird vor allem ein Schutzhund gewünscht. Er soll Bellfreudig sein, Einbrecher fernhalten sogar mit Gewalt. Also ist damit zu rechnen, das ein Straßenhund aus dieser Region auch eher Anlagen hat die ins Beißverhalten übergehen. Anders vielleicht in Ländern wie Spanien, wo ein Schutzhund eher selten vor kommt. Schaut euch also die Vergangenheit eurer Tiere nicht nur aus dem Hier und jetzt an sondern auch aus der Historie einer Zucht und hinterfragt vielleicht einmal, warum der eine Hund mehr dazu neigt als der andere.

… Viele Aggressive Hunde leben in deuten Tierheimen, häufig bleiben Sie bei Organisationen die sich darauf Spezialisiert haben. Aber warum? Oft ist es Leider so, das die neuen Halter nicht Verantwortungsbewusst mit aggressiven Tieren umgehen, da sie sich nicht an die Auflagen halten oder Tipps nicht annehmen. Wer also glaubt, er könnte einer kleinen Terrornase ein schönes zuhause geben, sollte auch darüber nachdenken, vielleicht in Deutschland einen Hund aus dem Tierschutz zu nehmen, wo er die Macken schon kennt.

… Zu guter letzt, wusstet Ihr das in einer Halterumfrage (so was spiegelt nicht die Realität wieder sondern das empfinden der Halter) der Chihuahua von seinem Herrchen und Frauchen als sehr Aggressiv eingestuft wurde, gegenüber Hunden und Menschen. Ich war verblüfft, gerade kleine Hunderassen wurden von Ihren Haltern als Aggressiv eingestuft.

Hattet ihr mit euren Hunden schon Probleme wegen Aggressionen? Habt ihr euren Weg gemeinsam gefunden?

Ich freue mich auf eure Kommentare

Liebe Grüße und nasse Küsse

Eva und Kuma

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